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Zwei Möglichkeiten der zeitweisen Schmerzausschaltung
1. Weg des Schmerzes zum Gehirn unterbrechen = betäuben der Nervenbahnen
Schmerzbahnen durchziehen unseren gesamten Körper und können auf dem gesamten Weg unterbrochen werden. Hierzu verwendet man sogenannte Lokalanästhetika = Medikamente, die lokal (örtlich) betäuben (anästhesieren). Die Wirkung dieser Medikamentengruppe ist zeitlich begrenzt und örtlich eingebracht ohne Wirkung auf den Gesamtorganismus. Ausnahmen sind allergische Reaktionen, welche häufig einer bestimmten Gruppe (Ester) zugeschrieben werden. Heutzutage sind sie jedoch meist durch eine sicherere Gruppe (Amide) ersetzt. Die meisten Nerven sind so genannte gemischte Nerven und beinhalten daher nicht nur Nerven zur Schmerzwahrnehmung, sondern z.B. auch Nerven zur Aktivierung von Muskeln. Aus diesem Grund sind Schmerzausschaltungen (= sensorische Blockade) häufig mit einer eingeschränkten Beweglichkeit (= motorische Blockade) der betäubten Region üblich.
Infiltrationsanästhesie
Der dünne Nerv liegt frei im Gewebe und es reicht das Einbringen des Lokalanästhetikas in der Nähe des Nerven (z.B. Zahnarzt, Fingeroperationen, Wundversorgung). Wenn an der richtigen Stelle eingebracht, ist der Erfolg immer 100% und es kommt zu einer kompletten Ausschaltung der Schmerzwahrnehmung (selten Anästhesieteam notwendig).
Leitungsanästhesie oder periphere Regionalanästhesie
Der Nerv liegt nun näher am Körperstamm und nimmt daher im Umfang zu. Teilweise umgibt sich der Nerv auch mit einer Hülle aus Bindegewebe. Hier ist es ganz wichtig das Lokalanästhetikum in die unmittelbare Nähe des Nerven einzubringen. Hierfür bedarf es genauer Kenntnisse des Körperbaus und häufig auch des Einsatzes von Hilfsmitteln, welche die unmittelbare Nähe zum Nerv anzeigen. Der Erfolg ist entscheidend davon abhängig, wie nah man das Medikament an den Nerv bringen konnte und welche Nerven erreicht wurden. Hier sind Sie in der Hand eines Anästhesisten bestens betreut und aufgehoben.
Zentrale Regionalanästhesie (SPA = Spinalanästhesie / PDA = Periduralanästhesie)
Auf der Ebene des Rückenmarkes vereinigen sich die Schmerzbahnen von beiden Körperhälften und liegen auf der Rückseite des Rückenmarkes, gut erreichbar für eine komplette Schmerzausschaltung aller Nervenbahnen, die unterhalb der blockierten Nervenfasern liegen. Der Bedarf an Lokalanästhetika ist an dieser Stelle deutlich geringer als an den übrigen Stellen des Körpers und daher ein bevorzugtes Verfahren zur Schmerzausschaltung der unteren Körperhälfte bis zur Höhe der unteren Rippenbögen. Beide Verfahren (SPA und PDA) unterscheiden sich nur durch eine Bindegewebshülle, welche das Rückenmark umgibt und bei der SPA passiert wird, während die PDA diese Hülle nicht passiert. Zusätzlich lässt sich bei der PDA durch Veränderung der Zusammensetzung der Lokalanästhetika auch das Ausmass der Nervenblockade steuern, was in der Geburtshilfe sehr nützlich ist, da man den Einfluss auf die muskelblockierenden Nervenbahnen reduziert und damit die Eigenaktivität der Mutter zur Entbindung wünschenswerterweise unterstützt.
2. Bewusste Wahrnehmung von Schmerzen im Gehirn unterdrücken
Schmerzwahrnehmung und -auswertung ist eine sehr komplexe Leistung des Gehirns und bezieht nahezu alle Strukturen des Gehirns mit ein. Um hier eine effiziente Schmerzausschaltung zu erreichen bedarf es Medikamente, die gezielt an bestimmten Hirnregionen angreifen, aber auch Medikamente, die ihre Wirkung erreichen indem sie in den natürlichen Stoffwechsel des Gehirns eingreifen. Die genauen Abläufe im Gehirn sind nicht abschliessend entschlüsselt und es ist zu vermuten, dass dies uns Menschen auch nie gelingen wird. Ebenso bleibt auch die Wirkung unserer Medikamente in vielen Bereichen des Gehirns ein Geheimnis und wir stützen uns auf die nun mehr als hundertjährige Erfahrung unserer Disziplin. Diese zeigt uns, dass die Beeinflussung der Gehirnaktivität zwar mit Veränderungen vieler Körperfunktionen einhergeht (Kreislauf, Atmung, Muskelaktivität, Wärmehaushalt uvm.), aber mit Beendigung unserer Massnahmen den Ausgangszustand wieder erreicht, ohne dass unsere Massnahmen in irgendeiner Form zu einer Veränderung in der Gehirnstruktur oder –aktivität führen. Unsere Einflussmöglichkeiten auf das Gehirn sind sehr vielfältig und entsprechend den Bedürfnissen sehr gut steuerbar. Sogar so gut steuerbar, dass wir bereits wenige Minuten nach einer Narkose wieder mit Ihnen kommunizieren können, Sie sich jedoch aufgrund der noch reduzierten Gehirnleistung daran nicht erinnern mögen. Erst mit voller Wiederherstellung der Gehirnleistung nehmen Sie Ihre Umgebung wieder „wach“ wahr, dies dann häufig erst ausserhalb des OP-Bereiches.
Sedierung
Hierbei setzen wir gezielte Hirnregionen vorübergehend in einen Ruhezustand, der sich nach aussen als Schlafen zeigt. Dieser Schlaf ist mit dem nächtlichen Schlaf nur in seiner äusseren Form vergleichbar, ist aber nicht erholsam und lässt Erinnerungslücken entstehen, die auch eine kurze Zeit der Schlafphase überdauern. Aufgrund der geringen Beeinflussung der Körperfunktionen wird dieses Verfahren auch häufig ausserhalb der Anästhesie angewandt, um Ihnen für manche Untersuchungen einen gewissen Komfort zu bieten.
Analgosedierung
Hier wird die schlaffördernde Substanz (Sedierung) mit einer schmerzlindernden Substanz (Analgesie) ergänzt. Beide Substanzen fördern den Schlaf und ergänzen sich, können aber zu einer Beeinträchtigung wichtiger Körperfunktionen führen, weshalb man hier den Patienten mit Monitoren, der die wichtigsten Körperfunktionen anzeigt, überwachen muss. In Abhängigkeit von der Menge (Dosierung) der Medikamente kann der Übergang in eine Narkose fliessend sein, der die Besonderheiten bei Narkosen berücksichtigen muss.
Vollnarkose oder Allgemeinanästhesie
Hierbei wird die Menge der schlaffördernden Medikamente so gewählt, dass eine sichere Ausschaltung der bewussten Wahrnehmung erfolgt. Durch Kombination verschiedener Medikamentengruppen kann den einzelnen Bedürfnissen besser Rechnung getragen werden und die Zahl an Nebenwirkungen (= veränderte Körperfunktionen) deutlich reduziert werden. Dieser Zustand der Bewusstlosigkeit lässt sich in verschiedene Stadien unterteilen, deren Übergang fliessend ist. Die Bewusstlosigkeit stellt ohne Fachpersonal und entsprechende Ausstattung einen lebensgefährlichen Zustand dar, da bestimmte Schutzfunktionen (so genannte Schutzreflexe) erlöschen. Den wirksamsten Beitrag zu Ihrer eigenen Sicherheit leisten Sie selbst durch die Einhaltung der Nüchternheitsregeln über die Sie Ihr Narkosearzt im Aufklärungsgespräch informiert. Monitore mit den wichtigsten Daten zu Ihren Körperfunktionen geben uns die Möglichkeit die notwendigen Medikamente richtig zu dosieren und jederzeit die Einflüsse (chirurgische Tätigkeit, Ihre Vorerkrankungen, die Medikamenteninteraktionen, die Einflüsse durch die Anästhesie uvm.) auf Ihre Körperfunktionen richtig zu beurteilen. Operationen in Allgemeinanästhesie sind sehr dynamisch und ständigen Veränderungen unterworfen, die jederzeit beurteilt werden müssen, weshalb Sie zu keiner Sekunde ohne fachliche Betreuung sein werden. Ihr Komfort und Ihre Sicherheit liegen uns dabei sehr am Herzen. Neueste Medikamente und hochwertige Ausstattungen geben uns die Möglichkeit Ihnen eine höhere statistische Sicherheit anbieten zu können als Sie die z.B. bei einer Teilnahme im Strassenverkehr erreichen können. Abhängig vom Eingriff ist der OP-Tisch in Allgemeinanästhesie einer der sichersten Orte der Welt!
